Warum Fett für Hunde lebenswichtig ist

Durchwachsenes Fleisch als Fettquelle bei der BARF-Ernährung für Hunde

„Ich komme gleich wieder“ gibt für einen Hund keinen Sinn. Alles was er weiß, ist, dass du fort bist.

Jane Swan

 
 

Fettarm ist gesund – kaum ein Satz hat sich so hartnäckig in unseren Köpfen festgesetzt. Was beim Menschen schon fragwürdig ist, wird bei Hund und Katze zum echten Problem. Denn unsere Fleischfresser sind auf Fett als Energiequelle und als Baustoff angewiesen.
Zeit, mit dem schlechten Ruf aufzuräumen!


1. Wie die Fettangst entstand

Die Idee, Fett sei der Feind, schwappte als Modeerscheinung von Amerika nach Europa und wurde durch groß angelegte Werbekampagnen zum Dauerbrenner. Über Jahrzehnte wurde Low-Fett propagiert, und viele Menschen sind davon geprägt. Auch im Napf wirkt sich das aus: Hunde und Katzen, die dauerhaft mit Light- oder Low-Fat-Futter ernährt werden, können Nährstoffdefizite und Stoffwechselprobleme entwickeln. Wenn der Organismus nicht genug Energie bereitstellen kann, zeigt sich das oft in Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

Gerade bei Hunden steht Fett im Verdacht, vor allem dick zu machen. Bei der Anreicherung der Ration mit Ölen geht es dann oft nur um optische Vorteile wie glänzendes Fell. Dabei ist Fett viel mehr als ein Schönheitsfaktor


2. Was Fett im Körper leistet

Fett ist ein lebensnotwendiger Baustein und erfüllt viele Aufgaben gleichzeitig:

  • Energie: Fett liefert gut doppelt so viel Energie wie Eiweiß oder Kohlenhydrate (ca. 9 kcal pro Gramm gegenüber ca. 4 kcal) und speichert sie.

  • Gehirn und Nerven: Das Gehirn ist das fettreichste Organ. Fett ist Bestandteil der Myelinscheiden, die die Nervenfasern umhüllen und elektrisch isolieren, und wird für die Signalübertragung von Zelle zu Zelle gebraucht.

  • Zellmembranen: In Form von Phospholipiden bestimmen Fette, wie durchlässig die Zellmembran ist, und damit den Stofftransport.

  • Vitamine: Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K werden nur mit Hilfe von Fett aus dem Darm aufgenommen, transportiert und gespeichert. Zu wenig Fett kann deshalb sekundär zu Vitaminmangel führen.

  • Hormone: Fett wird für die Bildung von Hormonen benötigt.

  • Schutz und Wärme: Das Viszeralfett polstert die Organe, besonders die empfindlichen Nieren, und schützt vor Druck, Kälte und Verletzungen. Fett isoliert außerdem und hilft bei der Regulation der Körperwärme.

  • Geschmack und Sättigung: Fett ist Geschmacksträger. Fettreiche Mahlzeiten werden langsamer verdaut und halten länger satt, was auch zur Zufriedenheit des Hundes nach der Fütterung beiträgt.

Fehlt Fett, greift der Körper auf Eiweiß als Energiequelle zurück. Das kann langfristig Leber und Nieren belasten. Typische Anzeichen eines Fettmangels sind stumpfes Fell, Hautprobleme (etwa an den Ohren und zwischen den Zehen), Gewichtsverlust und erhöhte Reizbarkeit. In der kalten Jahreszeit fällt der höhere Fettbedarf vieler Hunde besonders auf: Sie verlieren Gewicht und sind ständig hungrig.


3. Der Wolf als Vorbild

Der Wolf bevorzugt proteinreiche Nahrung mit viel Fett: Fleisch, Haut und Innereien samt natürlichem Fettanhang. Fett ist seine wichtigste Energiequelle. Würde man ein Beutetier trocknen, wie es beim Trockenfutter geschieht, käme man auf einen Fettgehalt von mindestens 22 %. Zum Vergleich: Viele Fertigfutter, vor allem Dosenfutter, liegen deutlich darunter, und auch bei Trockenfutter lohnt sich ein Blick auf die Deklaration – bezogen auf die Trockenmasse.

Fettarm zu füttern hat keine wissenschaftliche Grundlage. Ausnahmen sind Phasen mit bestimmten Erkrankungen, etwa bei einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse. Dann gehört die Fettmenge in die Hände von Tierarzt oder Ernährungsberater.

Ein extremes Beispiel liefern Schlittenhunde: Spezialnahrung für Leistungshunde kann einen Fettanteil von 30 bis 60 % haben. Früher bestand sie aus fettem Robben- oder Walfleisch, Lachs oder Pemmikan-Kraftnahrung aus Dörrfleisch, Rindertalg und Beeren.


4. Fettmangel: Wenn die Versorgung nicht stimmt

Bekommt ein Hund zu wenig Fett und essenzielle Fettsäuren, leidet darunter die Versorgung seines Körpers. Ein stumpfes Fell, Gewichtsverlust, Hautprobleme und erhöhte Reizbarkeit gehören zu den möglichen Folgen einer unzureichenden Versorgung.

Dr. med. vet. Vera Biber beschreibt in ihrem Buch Futterdoc die zentrale Bedeutung von Fett für die Energieversorgung, das Nervensystem und die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Eine unzureichende Fettzufuhr beeinträchtigt auch die Versorgung mit diesen Vitaminen.

Deshalb lohnt es sich, bei Problemen mit Haut und Fell nicht nur die äußeren Symptome zu betrachten, sondern auch die gesamte Fütterung unter die Lupe zu nehmen.


5. Wie viel Fett im Fleisch?

Als Faustregel gilt: Fleisch mit etwa 15 bis 25 % Fett ist gut durchwachsen. Man erkennt es an der Marmorierung. Beim Barfen füttert man das Fett also einfach mit dem Fleisch, ganz ohne zusätzliche Öle.


6. Omega 3 und 6:
Auf das Verhältnis kommt es an

Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind für Hund und Katze essenziell, der Körper kann sie nicht selbst herstellen.
Omega 9 ist dagegen nicht essenziell, es kann aus anderen Fetten selbst gebildet werden.

Beim Barfen ist vor allem das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 wichtig:

  • Omega 6 ist im Fleisch reichlich vorhanden. Schon fettarmes Fleisch deckt den Bedarf, ein Mangel ist unwahrscheinlich.

  • Omega 3 ist dagegen eher unterrepräsentiert.

  • Fleisch von Weidetieren aus Freilandhaltung, Alm oder Bio-Haltung hat ein ausgeglichenes Verhältnis. Das gilt auch für Reh und Hirsch.

  • Bei Fleisch aus konventioneller Haltung sollte Omega 3 ergänzt werden.

  • Als Richtwert wird häufig ein Verhältnis Omega 3 zu Omega 6 von 1 zu 2 genannt.

Die Tiere nehmen die Fettsäuren über ihr Futter auf. Das Fettsäuremuster in Fettgewebe und Milch spiegelt wider, was gefressen wurde. Wildkräuter auf der Weide machen das Fleisch also tatsächlich wertvoller als Kraftfutter aus Mais, Weizen und Soja.
Falls es dich interessiert, dazu gibt es auch einen Spiegel Beitrag
: Die Omega-3-Kühe von der Alm


6.1 Algenöl statt Leinöl

Oft wird Leinöl als Omega-3-Quelle empfohlen. Das Problem: Leinöl enthält die pflanzliche Alpha-Linolensäure (ALA). Hunde können ALA nur zu einem sehr geringen Teil in die wichtigen Fettsäuren EPA und DHA umbauen, bei Katzen ist die Umwandlung noch schlechter. Für Fleischfresser ist Leinöl daher keine verlässliche Omega-3-Quelle. Zu viel Omega 6 verschlechtert die Umwandlung zusätzlich.

EPA und DHA kommen fast nur in tierischen Quellen vor, etwa in Fisch, oder in Algenöl. Fisch ist allerdings oft mit Schwermetallen belastet, Wildfisch häufig überfischt, Zuchtfisch hat zwar mehr Omega 3, aber auch mehr Omega 6. Algenöl ist deshalb eine gute Alternative, wenn man Omega 3 zufüttern möchte.

👉 hier im Blog-Artikel kannst du nachlesen warum Lachsöl keine gute Idee ist.


7. Warum pflanzliche Öle im Napf meist nichts verloren haben

Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl und Co. sind für den Hund nicht notwendig. Besser ist Fleisch mit einem guten Fettgehalt. Besonders kritisch sind Sonnenblumen-, Maiskeim- und Distelöl: Sie enthalten fast ausschließlich Omega 6 und verschieben das Verhältnis noch weiter zuungunsten von Omega 3. Billige, nicht kaltgepresste Öle werden zudem schnell ranzig, ohne dass man es merkt. Sojaöl enthält Antinährstoffe und stammt häufig aus gentechnisch verändertem Anbau.

Im Trockenfutter wird gern mit essenziellen Ölen geworben, enthalten ist oft konventionelles Sonnenblumenöl – ausgerechnet das Öl mit besonders viel Omega 6.


7.1 Warum ranzige Öle so problematisch sind

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie in vielen Pflanzenölen stecken, sind chemisch instabil und oxidieren leicht. Kommen sie mit Licht, Sauerstoff oder Hitze in Kontakt, werden sie ranzig, und es entstehen Stoffe, die der Körper nicht nutzen kann und die ihn belasten können. Dieser Prozess beginnt schon bei der Herstellung, und ein fortgeschrittenes Ranzigwerden lässt sich nicht immer an Geruch oder Aussehen erkennen. Bei konventionell hergestellten, raffinierten Ölen ist die Oxidation oft schon beim Kauf im Gang, zudem können durch die Verarbeitung Transfettsäuren entstehen. Monatelange Lagerung und Erhitzen beim Braten beschleunigen das zusätzlich.

Am sichersten sind kalt gepresste Öle. Sie werden ohne Lösungsmittel bei niedrigen Temperaturen mechanisch aus Samen gepresst und idealerweise sofort in dunkle Flaschen abgefüllt. Aber auch sie brauchen die richtige Verpackung sowie eine kühle, dunkle Lagerung.

Hund und Katze können solche veränderten Fette nicht sinnvoll verwerten. Transfettsäuren blockieren den Zellstoffwechsel von Mensch, Hund und Katze massiv, indem sie sich unbemerkt in die Zellhülle einschleusen und diese unbeweglich und starr machen. Industrielle Tiernahrung muss oft zwei bis drei Jahre haltbar sein, deshalb werden Fette dort häufig gehärtet oder mit Konservierungsmitteln stabilisiert. Wer selbst zubereitet, hat die Fettqualität in der eigenen Hand. Katzen sind als strikte Fleischfresser zudem auf tierische Fette angewiesen und können Pflanzenöle nicht nutzen.

(Nach Dr. Jutta Ziegler, Rohkäppchen und der zahnlose Wolf.)


8. Kokosöl: ein Sonderfall

Kokosöl enthält mittelkettige Fettsäuren (MCFAs). Die Leber nutzt sie direkt für die eigene Energieversorgung oder wandelt sie in Ketonkörper um, die dem Gehirn als Brennstoff dienen können. Deshalb setzt die Tierärztin Dr. Jutta Ziegler Kokosöl bei Hunden und Katzen mit neurologischen Erkrankungen ein, besonders bei Epilepsie, und auch der Schilddrüse wird eine positive Wirkung zugeschrieben. Kokosöl beeinflusst zudem das Omega-3-Verhältnis nicht.

Wichtig ist die Qualität: Verwende native (virgin) Kokosöle, keine gehärteten oder raffinierten. Sprich den Einsatz bei Erkrankungen immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt ab.


9. Fazit

Fett ist kein Feind, sondern Energielieferant, Gehirnbaustein, Vitaminträger und Organschutz in einem. Gutes, durchwachsenes Fleisch von Weidetieren liefert alles, was dein Hund braucht. Bei konventionellem Fleisch ergänzt du Omega 3 am besten mit Algenöl. Und bei der Frage „fett oder mager?“ gilt für unsere Fleischfresser: lieber Fett, dafür in der richtigen Qualität.


10. Quellen

  • Dr. Jutta Ziegler: Rohkäppchen und der zahnlose Wolf (Makronährstoff Fett - Freispruch für das Fett)

  • Dr. med. vet. Vera Biber: Futterdoc (Primärkomponente Fette)

 
 

Hund oder Katze ?

Hallo, ich bin Beate – und bei mir leben zwei Hunde. BARF ist für mich ein echtes Herzensprojekt: weniger Fertigfutter, mehr artgerechte Ernährung. Denn frische Fütterung macht keine Mühe – sondern ist ein echter Game-Changer für eure Tiere.
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Happy to meet you

 
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